Wie sich geopolitische Herausforderungen auf die steirische Wirtschaft auswirken
Die aktuelle wirtschaftliche Lage Österreichs und insbesondere der Steiermark stand im Zentrum eines Vortrags, den Mag. Christof Kröpfl, Geschäftsführer der Volkshochschule Steiermark und Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik der Arbeiterkammer (AK) Steiermark, am 2. Dezember für die WIPOL gehalten hat. Dabei diskutierten wir über wirtschaftspolitische und geopolitische Herausforderungen sowie deren Auswirkungen auf die Region und ihre Bevölkerung.


Bildung für alle – die Mission der Volkshochschule Steiermark
Bevor die Diskussionen über die wirtschaftlichen Verwerfungen unserer Zeit begannen, stellte Mag. Kröpfl die vielfältigen Bildungsangebote der Volkshochschule (VHS) Steiermark vor. Diese reichen von Bewegungskursen über Finanzbildung und Soft Skills bis hin zu künstlerischen und handwerklichen Tätigkeiten. Das erklärte Ziel der VHS ist es, Bildung durch niederschwellige und breit gefächerte Angebote allen Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Dieses Engagement stieß auf erhebliches Interesse bei den Teilnehmer:innen des aktuellen WIPOL-Lehrgangs. Gleichzeitig wurde angeregt darüber debattiert, wie weit der Bildungsbegriff gefasst werden sollte und in welchen Bereichen die Kursangebote den größten gesellschaftlichen Mehrwert schaffen können.
Industrieland Steiermark – eine Region im Wandel
Mit einer Reihe von Statistiken regte Mag. Christof Kröpfl die weitere Diskussion über die wirtschaftlichen Herausforderungen der Steiermark an. Die Steiermark zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Forschungs- und Entwicklungsquote von 5,31 Prozent aus – die höchste unter allen österreichischen Bundesländern. Die Wirtschaftsstruktur ist vielfältig: Der primäre Sektor macht ca. 2,2 Prozent aus, der sekundäre Sektor ca. 34,1 Prozent und der tertiäre Sektor ca. 63,7 Prozent. Besonders hervorzuheben ist die Rolle der Steiermark als Exportland mit den diversen Clustern und Impulszentren. Insbesondere im Bereich der (energieintensiven) Industrie verfügt die Steiermark über einen sehr hohen Exportanteil und trägt damit substantiell zum wirtschaftlichen Erfolg der Region bei.
Globale Herausforderungen und ihre regionalen Auswirkungen
Im nächsten Abschnitt der Veranstaltung richteten wir den Fokus auf die multiplen Krisen, die das geopolitische Umfeld derzeit prägen. Mag. Christof Kröpfl führte vor Augen, wie der russische Krieg in der Ukraine nicht nur humanitäre Katastrophen auslöst, sondern auch massive wirtschaftliche Verwerfungen nach sich zieht, die sich auch auf die lokale Lage der Steiermark auswirken. Besonders die Energiepreise, die durch den Konflikt in die Höhe getrieben wurden, setzen der energieintensiven Industrie in unserem Bundesland erheblich zu. Diese Branche, die im internationalen Wettbewerb steht, sieht sich mit enormem Kostendruck konfrontiert, was nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, sondern auch schwierige Lohnverhandlungen zur Folge hat.

Ein weiteres Thema waren die unter Druck geratenen transatlantischen Beziehungen, die durch geopolitische Spannungen und die US-amerikanische Zollpolitik belastet werden. Die EU steht vor der Herausforderung, ihre Position in einem globalen Machtvakuum zwischen den USA, China und Russland zu behaupten. Gleichzeitig erfordert die Klimakrise entschlossenes Handeln, das nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen mit sich bringt.
Die Diskussion verdeutlichte, wie eng diese Krisen miteinander verwoben sind, und Mag. Kröpfl ergänzte diesen Eindruck durch anekdotische Beispiele aus der steirischen Wirtschaft, die uns zeigten, welche weitreichenden Auswirkungen diese konkret auf steirische Betriebe, die Bevölkerung und den öffentlichen Haushalt haben. Die Unsicherheiten auf globaler Ebene führen zu Konsumzurückhaltung und wachsender Sorge, während öffentliche Haushalte unter zunehmendem Spardruck stehen. Mag. Kröpfl betonte, dass die Bewältigung dieser Herausforderungen nicht nur regionale, sondern auch internationale Zusammenarbeit erfordert. Die Steiermark, so wurde deutlich, ist nicht nur von den globalen Entwicklungen betroffen, sondern auch ein aktiver Akteur, der sich den Herausforderungen der Zeit stellen muss.
Quo vadis Styria? – Ein Blick in die Zukunft
In der abschließenden Diskussion stand die Frage im Raum, wie die Steiermark und Europa den Herausforderungen der Zeit begegnen können. Mag. Kröpfl betonte die Bedeutung von Zusammenarbeit und einem positiven Mindset, um die globalen Probleme zu bewältigen. Mit einem Zitat von Willy Brandt – „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts“ – unterstrich er die Notwendigkeit, den Dialog zu suchen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Mag. Kröpfls Vortrag und die anschließende Diskussion boten somit einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Lage der Steiermark und Österreichs sowie über globale wirtschaftspolitische Entwicklungen. Die Quintessenz bestand darin, wie eng regionale und internationale Herausforderungen miteinander verknüpft sind. Doch trotz aller Schwierigkeiten wurde außerdem deutlich, dass es möglich ist, mit einer positiven Grundeinstellung und konstruktivem Handeln die Zukunft aktiv zu gestalten.
Wir bedanken uns bei Mag. Kröpfl für einen inspirierenden Abend, der nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Handeln anregte.
