Wirtschaftsstandort Steiermark: Wie aus der Krise?

Podiumsdiskussion voller Fragen und Antworten
Bereits seit ein paar Jahren steckt die heimische Industrie in Schwierigkeiten: Hohe Energiepreise, eine strauchelnde Nachfrage, Fachkräftemangel, drohende Zölle und die Notwendigkeit der grünen Transformation. Wie also kann der Wirtschaftsstandort Steiermark aus der Krise kommen? Dieser Frage und möglichen Antworten widmeten wir uns im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Auf dem Podium zu Gast saßen zwei Vertreter der Sozialpartnerschaft: Dr. Ewald Verhounig, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung an der Wirtschaftskammer Steiermark, sowie Mag. Mustafa Durmuş, Regionalsekretär bei der Gewerkschaft GPA Steiermark. Komplettiert wurde die Runde durch unseren Jahrgangsleiter Laurenz Lauffer in der Rolle des Moderators.
Im dritten Rezessionsjahr
Zu Beginn galt es den Status quo der heimischen Industrie zu beleuchten. Laut einer Konjunkturprognose des WIFO im März befinde sich Österreich mittlerweile im dritten Rezessionsjahr in Folge. Für die Industrie soll es in der zweiten Jahreshälfte aber wieder leicht bergauf gehen. Dennoch ist die heimische Industrie sehr eng mit der deutschen verwoben, wo auch die letzten Krisenjahre ihre Spuren hinterließen und Unsicherheit über die weitere Entwicklung bestehe. Doch Dr. Verhounig betonte, dass sich die Industrie zwar nach wie vor in einer herausfordernden Situation befinde, es aber auch wichtig sei, zu unterscheiden. Es gäbe nicht die eine Industrie als Einheit, vielmehr würden einzelne Branchen vor unterschiedlichen Problemen stehen.
Hohe Energiepreise
Ein Problem, das aber fast alle betrifft, seien die hohen Energiepreise hierzulande. Das hält auch Mag. Durmuş für problematisch und fordert einen Preisdeckel. Die Wirtschaft klage schon länger über hohe Kosten, und eine Regulierung der Energiepreise sei die richtige Antwort, anstatt bei den Löhnen zu kürzen. Niedrigere Energiepreise würde auch Dr. Verhounig für begrüßen, jedoch brauche es langfristige Lösungen für die Planungssicherheit von Unternehmen.
Attraktivität durch Kinderbetreuung
Ein Thema, bei dem sich die Diskutanten einig sind und dringenden Handlungsbedarf orten, ist die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Steiermark, sowohl für Unternehmen als auch Arbeitnehmende. Vor allem im ländlichen Raum sei es wichtig, die Daseinsvorsorge zu erhalten und auszubauen. Denn sonst wird der Trend des Wegzugs in Richtung urbanes Gebiet verstärkt, fehlende Arbeitskräfte in den Regionen sind das Resultat. Diskutiert wurde vor allem das Thema der Kinderbetreuung. Hier brauche es mehr Angebot. Herr Verhounig betont, dass sich die Steiermark im Bundesländervergleich bei den Betreuungsplätzen weit unten befindet.
Sozialpartnerschaft als Unikat und Erfolgsmodell
Die letzte Frage zielte auf die Sozialpartnerschaft ab. In dieser Form und Ausprägung ist sie im Vergleich zu anderen Ländern ein österreichisches Unikat – ist sie also noch ein Erfolgsmodell? Beide Diskutanten bejahen diese Frage. Natürlich sei man sich nicht immer einig, dennoch sei es von hohem Wert, dass sich Arbeitgebende und Arbeitnehmende an einen Tisch setzen würden, ihre Vorstellungen diskutieren und oftmals auch zu konstruktiven Kompromisse finden.
Weitere Themen, die kurz behandelt worden waren, sind etwa Maßnahmen für den Arbeitsmarkt, mit besonderem Fokus auf die Lehrlingsausbildung, sowie die Fachkräftegewinnung und die Rolle der nächsten Lohnverhandlungen für die Wirtschaft.