Sonntag, August 16, 2026
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„Über Rechtsextremismus heute gibt es genug zu sagen“ – Vortrag über Rechtsextremismus in Österreich

Was ist die Definition von Rechtsextremismus? Welche Strömungen des Rechtsextremismus gibt es? Und was haben die außerparlamentarischen Strömungen mit der parlamentarischen Rechten zu tun?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen setzte sich der Vortrag von Dr. Bernhard Weidinger am 11. Mai 2026 auseinander. Bernhard Weidinger forscht seit 2016 am Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) und ist dort unter anderem am jährlichen Rechtsextremismusbericht beteiligt, welcher auch auf der Website des DÖW nachlesbar ist. 

Weidinger eröffnete seinen Vortrag mit den Worten: „Der Vortrag heißt zwar `Rechtsextremismus in Österreich gestern und heute´, aber wir werden uns hauptsächlich mit dem Heute beschäftigen, denn darüber gibt es genug zu sagen“.

Nach einer kurzen Einführung, wie Rechtsextremismus in Österreich historisch gewachsen ist – etwa, dass sich aufgrund der engen Verflechtung mit Burschenschaften vieles an den Universitäten abspielte – schilderte Weidinger die aktuellen Trends in der rechtsextremen Szene. Burschenschaften würden immer noch eine wichtige Scharnierfunktion zwischen dem außerparlamentarischen und dem parteiförmigen Rechtsextremismus einnehmen. Zugleich sei aber ein Rückgang der Mitgliedszahlen zu beobachten. Beispielsweise habe es in Wien in letzter Zeit mehrere Fusionen gegeben. Das liege unter anderem daran, dass neue Angebote entstanden seien und sich viele junge Rechtsextreme beispielsweise den Identitären bzw. der sogenannten „Neuen Rechten“ zuwenden würden.

Im Rechtsextremismusbericht 2024 wird die „Neue Rechte“ wie folgt beschrieben: „Mit der euphemistischen Selbstbezeichnung „Neue Rechte“ wird eine Strömung umschrieben, die für sich in Anspruch nimmt, einen konsequenten Bruch mit der „alten“ (faschistischen bzw. im deutsch-österreichischen Kontext nationalsozialistischen) Rechten vollzogen zu haben. Unverändert geblieben sind bei aller „neurechten“ Modernisierung die Grundannahme und die Vision der „alten Rechten“: die Ungleichheit der Menschen und die Herstellung möglichst ethnischer Homogenität. Als prioritäres Ziel seiner Identitären Bewegung (IB) formulierte Martin Sellner den „Volkserhalt[ ]“ bzw. die „Abwendung des Bevölkerungsaustauschs.“

Weidinger sprach in seinen Ausführungen auch über verschiedene gesellschaftliche Phänomene, die eng in Verbindung mit rechtsextremistischen Strömungen stehen. So gebe es neben Phänomenen wie „Identitären-Rap“ und eigens entwickelten Computerspielen auch Kleidungsmarken, die gezielt für Neonazis gemacht wurden. Dies stelle auch einen ökonomischen Faktor der Szene dar.

Er führte weiter aus, dass Religion im amerikanischen Rechtsextremismus eine größere Rolle spiele als bei uns. Allerdings gebe es auch aktuelle Trends, die aus Amerika nach Österreich geschwappt seien. Als Beispiel nannte er die sogenannte „Manosphere“ – eine sich hauptsächlich im Internet abspielende antifeministische Bewegung, die ein enormes Wachstumspotenzial habe.

Im Anschluss an Weidingers Vortrag fand eine ausführliche Diskussion mit zahlreichen Fragen aus dem Publikum statt. Unter anderem wurden dabei die außenpolitischen Beziehungen österreichischer rechter Akteur:innen erörtert. Laut Weidinger sei etwa die Einstellung zu Russland zwischen den unterschiedlichen rechtsextremistischen Strömungen gespalten.

Der Abend endete mit dem Fazit, dass die Gründe, aus denen sich Menschen rechten Strömungen zuwenden, häufig normale menschliche Bedürfnisse seien und die extreme Rechte darauf menschenfeindliche Antworten biete. Die Frage sei also, welche Antworten von den anderen Parteien angeboten werden könnten.

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