Digitalisierung & Industrie 4.0: Diskussion mit Prof. Krautzer

Das Sommersemester des 9. Jahrganges der Wirtschaftspolitischen Akademie Steiermark startete mit einer besonders intimen Diskussion. Univ.-Prof. Dr. Thomas Krautzer erklärte sich bereit, mit unseren TeilnehmerInnen über das breite Thema Digitalisierung zu diskutieren. Prof. Krautzer war bis 2016 Geschäftsführer der steirischen Industriellen Vereinigung (IV). Mit insgesamt 25 Dienstjahren in der IV kennt Prof. Krautzer den Standpunkt der österreichischen Industrie wie kein anderer. Zurzeit ist Prof. Krautzer Leiter des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- & Unternehmensgeschichte an der KF-Uni Graz.

Zu Beginn stellte Prof. Krautzer unseren TeilnehmerInnen die Frage, welche Wirtschaftssektoren die Steiermark denn ausmachen? Ist es der Tourismus oder gar doch die Industrie? Erstaunliche 27% der steirischen Bruttowertschöpfung kommen aus der Industrie, gefolgt vom Handel mit nur 10%. Die Steiermark ist also ein Industrieland. Automotive, Stahl, Sensorik, Life Science: die Steiermark ist ein allround-Talent mit spitzentechnologischen Lösungen in vielen Bereichen. 

Prof. Krautzer erklärte sodann, wie sich die drei industriellen Revolutionen bisher ausgewirkt haben auf Arbeitsplätze und Wohlstand der Menschen. Die sogenannte vierte industrielle Revolution, Industry 4.0, sieht Prof. Krautzer nicht als eine Revolution im klassischen Sinne – hinter dem Begriff stecke vor allem viel Marketing. Unternehmen haben sich schon seit längerem mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt, was sich über die Zeit natürlich gesteigert hat zu dem heutigen Level. Begriffe wie Artificial Intelligence und Augmented Reality sind daher einfach Entwicklungen daraus. 

In der Steiermark gibt es einige gute Beispiele, wie sich Digitalisierung entwickelte. Die Knapp AG beispielsweise war schon immer eng mit dem Thema Digitalisierung verbunden und versteht den momentanen Digitalisierungs-Hype nicht ganz. Prof. Krautzer sieht den großen Erfolg steirischer Industriebetriebe in einer sogenannten technologierorientierten Nieschenpolitik. Unternehmen haben sich hierbei in einer kleinen Niesche hoch spezialisiert und in Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen Meisterleistungen vollbracht. 

Die Diskussion über mögliche Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft führte uns über das bedingungslose Grundeinkommen bis zur Verteilungsgerechtigkeit. Die Diskussion eröffnete so manchem/r Teilnehmer/in eine neue Perspektive auf das Thema Digitalisierung. 

Wir bedanken uns herzlich für die lange und spannende Diskussion!

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