Hands on Days 2018: Workshop Sexarbeit

Am Samstagvormittag fanden 2 sehr spannende Workshops gleichzeitig statt.

Der erste hielt ein ganz besonderes Thema für uns bereit. Frau Mag. Michaela Engelmaier vom FRAUENSERVICE Graz diskutierte mit uns über das Thema Sexarbeit und die berufliche Situation der Sexarbeiterinnen. Das Thema findet in der breiten Öffentlichkeit zwar immer mehr Beachtung, aber viele trauen sich noch nicht vorbehaltlos über die Probleme in diesem Bereich zu sprechen. Daher spielt das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung momentan nur eine untergeordnete Rolle.

Bevor man sich dem Thema nähert, ist es besonders wichtig einige grundlegende Fragen zu klären: wo verläuft die Grenze zwischen Menschenhandel und Zwangsarbeit zur Sexarbeit? Welche Rolle spielen Migration und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau bei der Einordnung des Themas? Wie kann die öffentliche Wahrnehmung der Frauen verändert werden (vom Opfer zur Dienstleisterin)?

Auf der Basis solcher grundlegenden Fragen entstehen eine Vielfalt an Positionen und Forderungen wie mit der Thematik umgegangen werden soll. Daher haben wir uns in dem Workshop dem Thema zunächst mit einer klärenden Definition des Begriffs Sexarbeit in Abgrenzung zur Prostitution und sexueller Gewalt genähert. Anschließend wurden unterschiedliche Modelle zum Umgang mit der Sexarbeit in verschiedenen Staaten der Welt diskutiert (USA, Schweden, Österreich und Deutschland). Die Modelle unterscheiden sich im Wesentlichen in der rechtlichen Absicherung der Sexarbeiterinnen und den damit verbundenen Auswirkungen auf die soziale Situation der Arbeiterinnen. So reichen beispielsweise die politischen Maßnahmen vom Verbot der Sexarbeit bis hin zu Versuchen einer Formalisierung des gesamten Dienstleistungsprozesses.

Die entscheidenden Fragen bleiben jedoch, wie können die Lebens- und Arbeitsbedingungen der als Sexdienstleisterinnen tätigen Frauen verbessert werden und wie können Sie sich vor Diskriminierung und Gewalt schützen? Als erster Schritt in die richtige Richtung zur Beantwortung dieser Fragen, stellt die Entstigmatisierung der Sexdienstleistung. Darauf aufbauend muss Gesetzeslage an die soziale Realität der Frauen angepasst werden.

Die Erkenntnisse aus dem Workshop, waren für alle TeilnehmerInnen höchst spannend, aber führten auch oft die erschreckende Gewissheit vor Augen, wie stark die Stigmatisierung und (rechtliche) Diskriminierung der Sexarbeiterinnen auch in Österreich noch verbreitet sind. Durch die intensiven Diskussionen während des Workshops konnten die TeilnehmerInnen die Gelegenheit nutzen, um ihre eigene Haltung in Bezug auf Sexarbeit zu reflektieren.

Schreibe einen Kommentar