Montag, August 3, 2026
News

Zwischen Mythos und Realität: Vortrag zum Gender Pay Gap begeisterte das Publikum

Am 14. Januar 2026 durfte die WIPOL Steiermark Frau Sophie Achleitner, Economist am Momentum Institut, in Graz begrüßen.

Unter dem Titel „Ein Gender Gap kommt selten allein – Ursachen, Entwicklungen & gesetzliche Perspektiven“ gab Frau Achleitner einen fundierten Einblick in die aktuellen Zahlen und Herausforderungen rund um den Gender Gap im Allgemeinen sowie den Gender Pay Gap im Besonderen.

Zu Beginn ihres Vortrags griff sie gängige Schlagzeilen und politische Aussagen zum Gender Gap auf und erklärte die unterschiedlichen Prozentangaben, die häufig in den Medien genannt werden. Dabei zeigte sie auf, weshalb Kennzahlen wie 12,2 %, 16,3 % oder 18,3 % nebeneinander existieren und wie diese jeweils berechnet werden. So erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass Österreich laut Eurostat beim Gender Pay Gap, der sich auf den Bruttostundenlohn bezieht, mit 18,3 % deutlich über dem Durchschnitt der EU-27 von 12,0 % liegt.

Im weiteren Verlauf widmete sich Frau Achleitner den Ursachen der unterschiedlichen Teilzeitquoten von Frauen und Männern. Anhand aktueller Daten wurde deutlich, dass Care-Arbeit nach wie vor der wichtigste Grund für Teilzeitbeschäftigung von Frauen ist, während Männer Teilzeit überwiegend aufgrund von Aus- und Weiterbildung ausüben. Diese unterschiedlichen Erwerbsbiografien wirken sich langfristig auf Einkommen, Karrierechancen und schließlich auch auf die Pension aus.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Einordnung des sogenannten erklärten und unerklärten Gender Pay Gaps. Frau Achleitner zeigte anhand aktueller statistischer Auswertungen, dass lediglich 34,3 % der Lohnunterschiede durch Faktoren wie Beruf, Branche, Arbeitszeit oder Qualifikation erklärt werden können. Rund 65,7 % des Gender Pay Gaps bleiben statistisch hingegen unerklärt und verdeutlichen, dass die Ursachen weit über rein arbeitsmarktbezogene Unterschiede hinausgehen.

Darüber hinaus setzte sich Frau Achleitner mit häufig vorgebrachten politischen Argumenten auseinander, die den Gender Pay Gap relativieren oder dessen Bedeutung infrage stellen. Mithilfe wissenschaftlicher Daten und Fakten ordnete sie diese kritisch ein und zeigte auf, welche strukturellen Faktoren zur anhaltenden Einkommensungleichheit beitragen. Der Vortrag bot zahlreiche Denkanstöße und regte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer lebhaften Diskussion über mögliche Lösungsansätze an.

Im Anschluss an den rund 45-minütigen Vortrag nutzten die Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit der Vortragenden ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden neben dem Gender Pay Gap auch weiterführende Themen – etwa das Pensionssplitting und dessen mögliche Auswirkungen auf die finanzielle Absicherung im Alter – diskutiert.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Sophie Achleitner und dem Momentum Institut für den spannenden und lehrreichen Vortrag sowie bei der AK Wien für die Übernahme der Kosten.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert